Libre 3? Nein, danke.

Vor ein paar Wochen war das neue Produkt, der FreeStyle Libre 3, auf sämtlichen Social Media Plattformen präsent. Und mittlerweile kann man ihn sich auch beim Arzt verschreiben lassen. Allerdings momentan nur, wenn man ein iPhone (iOS Betriebssystem) nutzt, da die App, welche man für die Nutzung benötigt, noch nicht für das Android Betriebssystem erhältlich ist.

Und hier kommen wir auch direkt zum Punkt, weshalb ich das Konzept hinter dem FreeStyle Libre 3 überhaupt nicht gut finde: Man kann ihn nur in Verbindung mit einem Smartphone nutzen.
Ich verstehe, dass immer mehr Menschen weg vom herkömmlichen Lesegerät gehen und den Sensor nur in Verbindung mit ihrem Handy und der erhältlichen App nutzen. Dennoch gibt es einige Punkte, die für das Lesegerät sprechen und welche auch der Grund sein werden, warum ich (erstmal) einen Bogen um das System mache.

  1. Ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Behinderung
    Ja, mittlerweile nutzen sehr viele Menschen ein Smartphone. Dennoch gibt es einige Gruppen, die es nicht können oder wollen. Ältere Menschen, die mit der Technik und der Nutzung eines Smartphones überfordert sind, beispielsweise. Klar, meine Oma nutzt mittlerweile auch WhatsApp und scrollt durch Facebook. Allerdings hat es eine gute Zeit gedauert, bis sie die Schritte hinter dem Versenden eines Fotos verstanden hat. Was meiner Meinung nach mehr als verständlich ist.
    Meine Oma müsste nun jedes Mal das Handy in die Hand nehmen, wenn sie ihren aktuellen Gewebezuckerwert wissen möchte. Dazu muss man sagen, dass ihre Generation ihr Handy nicht immer überall mit hin nimmt und ich mir sehr sicher bin, dass sie nicht nur einmal ohne Glukosewert sein würde. Das gleiche Problem sehe ich bei kleinen Kindern, die noch gar nicht dazu in der Lage sind ein Smartphone zu nutzen, oder deren Eltern die Nutzung von diesem (noch) nicht erlauben. Das Handy sollte man (im Kindheitsalter) auch nicht ständig mit sich herum tragen (müssen). Geschweige denn von Situationen in der Schule, während Prüfungen etc. Während man mit dem Lesegerät (unauffällig) scannen kann, so muss man nun jedes Mal das Handy zücken und kommt (beispielsweise in der Schule) eventuell in unangenehme und unnötige Auseinandersetzungen.
  2. Akku leer – und jetzt?
    Da ist man mal den ganzen Tag unterwegs, hat abends vergessen das Handy an das Ladekabel anzuschließen oder der Akku entlädt sich schneller als sonst üblich. Und dann? Steht man ohne Messgerät da, weil es nur noch über das Smartphone möglich ist. Diese Situation stelle ich mir persönlich wirklich schwierig vor, da mein Handyakku am Ende des Tages oft im unteren Prozentbereich ist. Klar, man kann eine Powerbank mitnehmen oder das Ladekabel, falls es unterwegs Steckdosen gibt. Aber das ist doch auch nicht die Lösung, oder? Und eine Powerbank kann man auch mal zuhause vergessen.
    Ich weiß, dass viele CGM/FGM-Nutzer bereits nur das Handy zum Messen nutzen, allerdings gehöre ich da (wie ja schon oft erwähnt) nicht dazu. Ich würde da vermutlich anfangs gar nicht dran denken und gleichzeitig stellt es für mich eine zusätzliche Abhängigkeit von meinem Handy dar.
  3. Handy verboten!
    Sei es während der Klausur, im Unterricht oder bei einem (Geschäfts-) Meeting. Ich war schon in vielen Situationen, in welchen Handys verboten waren. Selbst wenn man im Unterricht das Handy zum Scannen des Sensors verwenden könnte, bleiben immer noch einige Lebenssituationen übrig, in denen das nicht möglich ist.
    Während meines Praktikums an der deutschen Botschaft in Seoul, kam ich sehr häufig in Situationen, in welchen das Handy weggeschlossen wurde. Zum Beispiel jeden Morgen beim Meeting mit dem Botschafter – klares Handyverbot, da während dem Meeting vertrauliche Informationen geteilt wurden.
    Auch bei meinen Besuchen bei der EU Abteilung in Korea hieß es: Sicherheitskontrolle und Handy abgeben.
    Und da kann man leider nicht mit den Zuständigen sprechen, die Lage erklären und eine Ausnahme bekommen. So kam es anfangs vor, dass ich drei Stunden ohne Glukosewerte in einem Meeting saß und zu Hause als erstes das Empfangsgerät des Dexcoms rausgekramt und geladen habe. Ab diesem Moment war der Empfänger immer mit dabei und ich war vorbereitet.
    Beim Libre 3 fällt diese Option nun komplett weg. Hier gibt es den Plan B mit einem Empfänger bzw. Messgerät nicht mehr. In diesem Fall müsste ich mein Blutzuckermessgerät inkl. Teststreifen & Lanzette mit mir herumtragen. Und ganz ehrlich? Da denke ich erstens nicht immer dran und zweitens möchte ich auch wirklich ungern in solchen Meetings mir in den Finger stechen und blutig messen müssen. Wo doch gerade die CGM/FGM Hersteller damit werben, dass man mit ihrem Gerät endlich nicht mehr in den Finger piksen muss.

Diese Punkte sind für mich die größten Nachteile des Libre 3 Systems. Davon abgesehen, dass es in Südkorea immer noch keinen Libre 2 gibt und ich somit erstmal mit dieser Situation klar kommen muss, würde ich zunächst auch einen Bogen um den neuen Sensor machen.
Ich hänge schon zu viel am Handy und der Libre 3 würde das nur noch mehr verstärken. Für mich persönlich passt ein System mit extra Empfänger/Messgerät einfach besser, da es mir mehr Flexibilität und Unabhängigkeit gibt.

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